Foto: Ayham Photography

„Du musst dem Negativen immer mit Menschlichkeit begegnen“

Süddeutsche Zeitung, Wirtschaft

Malakeh Jazmati flüchtete aus Syrien und gründete in Berlin eine Cateringfirma und ein Restaurant. Ein Gespräch über bürokratische Hürden, die besondere Energie von Frauen und eine spezielle Zutat von Gerichten: Liebe.

Malakeh Jazmatis Restaurant liegt an einer belebten Straße in Berlin. Die Fassade im Erdgeschoss ist rot gestrichen, über der Tür steht „malakeh“. Drinnen stehen Holztische und es duftet nach Gewürzen. Jazmati hat bereits für das Bundeskanzleramt und die Berlinale gekocht. Im vergangenen Juni war Angela Merkel hier zu Gast für eine Diskussionsrunde über Migration. Jazmati steht in der Küche, die Hände in Mehl getaucht. „Einen Moment noch“, ruft die 38-Jährige, gibt einem ihrer Mitarbeiter Anweisungen auf Arabisch, wirbelt herum, füllt Gemüse und Gewürze in eine Schüssel. Sie bereitet ein Catering für den Abend zu. Während des Interviews, das sie auf Englisch führen möchte, ist sie trotz des Trubels um sie herum voll konzentriert.

SZ: Malakeh Jazmati, reden wir über Geld. Sie sind 2012 vor dem Assad-Regime in Syrien nach Jordanien geflohen, drei Jahre später weiter nach Deutschland. 2019 haben Sie Ihr eigenes Restaurant hier in Berlin eröffnet. Wie haben Sie das finanziert?

Malakeh Jazmati: Drei Monate nachdem ich in Berlin angekommen bin, habe ich einen Catering-Service eröffnet. Anfangs dachte ich, das wird ein kleines Geschäft, das mir hilft, mich zu versorgen und meine Familie in Jordanien zu unterstützen. Ich hätte nie gedacht, dass es sich so gut entwickeln würde. Ich habe sehr sparsam gelebt. Mein Mann und ich haben mit unserem älteren Sohn vier Jahre lang in einem kleinen Zimmer gelebt und Geld zur Seite gelegt. Ich wollte finanziell unabhängig bleiben, keinen Kredit von der Bank aufnehmen.

Hatten Sie Erfahrungen in der Gastronomie?

Überhaupt nicht, ich habe in Syrien arabische Literatur, Diplomatie und Politikwissenschaften studiert. Ich wollte Kulturministerin werden. Aber diesen Traum musste ich in Syrien zurücklassen.

In Jordanien wurden Sie eine bekannte TV-Moderatorin und hatten eine eigene Kochshow. Wie sind Sie dazu gekommen?

Das war Zufall. Ich habe in einem großen Flüchtlingslager in Jordanien mitgeholfen. Als dort ein Dokumentarfilm gedreht wurde, hat der Regisseur mich gefragt, ob ich eine Talkshow in einem Assad-kritischen Sender moderieren möchte, in der wir mit prominenten Gästen über Kultur und Politik diskutieren und kochen. Ich habe gesagt, dass ich gleichzeitig reden und kochen kann. So hatte ich zwei Jobs.

Konnten Sie damals schon gut kochen?

Nein (lacht), wenn ich in Syrien gekocht habe, waren es nur Nudeln. Ich habe meine Mutter und Großmutter angerufen und mir von ihnen erklären lassen, wie man syrisches Essen zubereitet. Meine Leidenschaft fürs Kochen habe ich erst entdeckt, als ich mein Land verlassen musste. Wenn man geht, findet man oft Dinge in sich selbst, von denen man vorher nichts wusste.

Warum haben Sie Jordanien dann wieder verlassen?

Was ich beim Fernsehen verdient habe, hat nicht gereicht, um eine Familie zu versorgen. Ich hatte großes Glück, dass ich in Jordanien überhaupt eine Arbeitserlaubnis erhalten habe. Als syrische Flüchtlinge durften wir dort eigentlich nicht arbeiten. Mein Mann hat alles versucht, um irgendeinen Job zu finden, er hat in einem Laden geputzt, um Geld zu verdienen. Aber es war sehr gefährlich, wir haben in ständiger Angst gelebt. Wenn mein Mann bei der Arbeit erwischt worden wäre, hätten sie ihn ins Gefängnis gesteckt oder zurück nach Syrien geschickt. Deswegen sind wir nach Deutschland gegangen.

Wieso haben Sie sich für Deutschland entschieden?

Für uns war die entscheidende Frage: Dürfen wir dort arbeiten oder müssen wir in einem Lager herumsitzen. Freunde haben uns erzählt, dass du hier arbeiten, Steuern zahlen, dich einbringen darfst, auch wenn du keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Deswegen wollten wir nach Deutschland. Mein Mann ist zuerst mit dem Boot übers Mittelmeer nach Griechenland gefahren, …

Das ganze Interview in der Süddeutschen Zeitung online:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/reden-ueber-geld-interview-syrien-fluechtling-catering-restaurant-jazmati-li.3323755