Sie wollte eigentlich Tänzerin werden, stattdessen entschied sich die gebürtige Berlinerin Vivian Böllersen für ein Leben als ökologische Walnuss-Landwirtin. Ein Gespräch über Pionierarbeit, Preispolitik bei Nüssen und die Frage, wie man sich als Städterin im brandenburgischen Dorf anpasst.
Vivian Böllersen befüllt noch schnell die Knackmaschine. Laut klackernd purzeln Walnüsse durcheinander, werden in einer Presse zusammengedrückt, die Kerne fallen auf ein Förderband, an dem zwei Mitarbeiterinnen prüfen, ob sich noch Schalen dazwischen befinden. Böllersen ist Landwirtin und gilt als Pionierin des ökologischen Walnuss-Anbaus in Deutschland. Die 38-Jährige hat in Brandenburg einen eigenen Walnusshain mit 200 Bäumen angelegt und in dem Dorf Herzberg, eine Stunde nördlich von Berlin, ihre Walnussmeisterei aufgebaut. Dort verarbeitet sie in einer umgebauten Scheune Nüsse und verkauft ihre Produkte im Hofladen und Café: Öl, Schokolade, Mus und Likör aus oder mit Walnüssen. Zum Interview gibt es Kaffee und Kuchen, natürlich mit Walnüssen gebacken.
SZ: Frau Böllersen, reden wir über Geld. Etwa fünf Kilogramm Nüsse isst jeder Mensch in Deutschland im Jahr. Die allermeisten sind importiert. Ist der Anbau hierzulande nicht lukrativ?
Vivian Böllersen: Der regionale Nussanbau hat großes Potenzial, aber es dauert, bis man die ersten Früchte ernten kann, und es gibt kaum Erfahrungswerte in Deutschland. Es fehlt noch an Strukturen für die Verarbeitung und Vermarktung, weil bisher leider nur wenige kleine Betriebe Nüsse anbauen. Aber ich bin überzeugt, dass es mit der nötigen Ausdauer lukrativ sein wird.
Beim Kauf von Äpfeln oder Kartoffeln achten viele Menschen darauf, dass sie aus der Region kommen. Wieso findet man im Supermarkt fast nur Walnüsse aus den USA, obwohl sie hier sogar in vielen Gärten wachsen?
Genau diese Frage war der Ausgangspunkt meiner Masterarbeit. Früher gab es einen hohen Grad an Selbstversorgung, Walnussbäume wurden als Haus- und Hofbäume gepflanzt, dadurch gab es schlicht keinen Bedarf für zusätzlichen Anbau. Nach dem Krieg hat man die Landwirtschaft industrialisiert und auf Effizienz getrimmt, da setzte man auf kurzfristige, schnell ertragreiche Arten. Dazu zählen Nussbäume nicht. Mit der Globalisierung haben sich dann einige Länder auf die Walnussproduktion spezialisiert und ihre Verfahren optimiert. Die Nüsse im Supermarkt kommen meist aus Kalifornien, im Biosegment häufig aus Frankreich. Lange Zeit wurde das kaum hinterfragt
Findet jetzt ein Umdenken statt?
Seit etwa zehn Jahren rückte das Thema stärker in den Fokus, auch durch Ernährungstrends hin zu mehr pflanzlichen Proteinen. Viele landwirtschaftlichen Betriebe stecken in einem Wandel: Tierhaltung ist mit hohen Investitionen und großer Unsicherheit verbunden. Zu uns kommen oft Praktikantinnen und Praktikanten, die einen traditionellen Hof übernehmen sollen, aber zum Beispiel keine Perspektive mehr in der Schweinehaltung sehen. Sie suchen nach Alternativen, mit denen sie sich diverser aufstellen können, ob mit Kichererbsen, alten Getreidesorten oder Nüssen. Als ich anfing, war das noch ganz anders.
Wurden Sie belächelt, als Sie 2015 in den Walnussanbau einsteigen wollten?
Ja, voll, vor zehn Jahren hat das keiner ernst genommen.
Sie haben damals 200 Bäume auf einer viereinhalb Hektar großen Fläche angepflanzt. Tragen die schon Früchte?
Ja, aber marginal, in zwei oder drei Jahren werde ich vermutlich zum ersten Mal Nüsse von den Bäumen verkaufen können. Es ist ein langer Prozess. Die Bäume müssen …
Das ganze Interview in der Süddeutschen Zeitung:
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/walnussanbau-brandenburg-vivian-boellersen-li.3351813